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Hin zum Sinn: Wie wir zum Wesentlichen kommen

Kunst, Alltag, Bewusstsein, Sprache, Theater. Wir haben über vieles gesprochen, Letzendlich führten alle Worte uns zu einer, alles entscheidenden Substanz: der des Wesentlichen.
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von Lisa

 

Jidu Pasqualini, unser Dozent für Sprachgestaltung, arbeitet mit uns oft am Thema „Was ist das Wesentliche?“. Diese Frage sollte sich für jeden Menschen immer mehr aufdrängen. Wie oft verpassen wir Wesentliches im Leben? Und Jahre später denken wir: „Mensch, hätte ich doch“.

 

Oft verliert man auch Zeit mit Unwesentlichen und meint, es wäre wesentlich. Du musst wissen, was wesentlich ist und die Bedeutung kennen, um es von Unwesentlichem unterscheiden zu können. Das kann uns zu einer höheren Aufmerksamkeit für Vorgänge anregen, die dir sonst gar nicht ganz zu Bewusstsein kommen.

 

Wir schaffen im Freien Jugendseminar Zeiten, in denen wir bestimmte Dinge üben und durch ihre Wiederholung stehen sie uns immer mehr zur Verfügung. Die Seele braucht Situationen, in denen sie sich in dieser Weise ausdrücken kann. Aber nicht überall im Alltag können wir uns emotional ausdrücken. Durch diese Situation, die wir schaffen, und die sich vom Alltag unterscheiden, üben wir etwas ein, was umgekehrt den Alltag selbst bunter und wesentlicher macht. Letztendlich wird diese Aufmerksamkeit automatisch: Ich bin präsenter, um die Situation besser mitgestalten zu können.

 

Es ist sehr unterschiedlich, wie die Seminaristen im Freien Jugendseminar, für sich zum Wesentlichen finden. Es ist der gemeinsame Kampf und der mit sich selbst, langsame Schritte in diese Richtung zu machen. Es ist nicht so, dass wir an unserer äußeren Leistungsfähigkeit arbeiten würden. Jeder arbeitet vielmehr an seinen eigenen inneren Fragen: Was ist mir wichtig? Was will ich eigentlich? Nicht, damit ich mich noch besser in die Gesellschaft einfüge, sondern damit die Gesellschaft insgesamt eine bessere wird.

 

Das Spannende an den Texten, mit denen wir uns hier befassen, ist, dass sich jeder den Text wählt, den er oder sie braucht. Das ist ganz intuitiv. Das was man wählt, ist oft das Schwierigste, weil man an ihm am meisten wachsen kann. Meine Arbeit ist nicht, an der Person zu arbeiten, sondern am Text – die Seminaristen sollen an sich arbeiten, damit die Arbeit gut ist. Nebenbei arbeiten wir am Wesentlichen.

 

Im Leben kann ich versuchen, die Welt direkt zu verändern. Ich werde dann aber vermutlich nicht so viel erreichen, als wenn ich zuvor an mir selbst gearbeitet habe. Das ist so, als würden wir die Welt aufräumen wollen, ohne unser eigenes Zimmer ins Reine zu bringen. Solange ich es jedoch nicht schaffe, mich selbst „aufzuräumen“, werde ich es auch nicht schaffen, die Welt in Ordnung zu setzen, weil ihre Unordnung von mir ausgeht. Jeder Mensch ist ein Mitgestalter seiner selbst und der Welt. Damit ich gestalten kann, muss ich gestalten lernen, und muss lernen, was es alles zu gestalten gibt.

 

Wenn ich nach den Gesprächen mit Jidu Pasqualini auf die Frage antworten müsste: Was ist nun das Wesentliche, dann würde ich sagen, dass das Wesentliche im Dazwischen steckt. Dort hinzulauschen braucht eine innere Ruhe, Genauigkeit und ganz viel Aufmerksamkeit. Es ist ein Prozess, es ist eine Arbeit, die nie endet, eine Entdeckungsreise, hin zum Sinn. Wo wir ihn suchen, das bleibt uns selbst überlassen. Wir können das Wesentliche in Allem finden, wenn wir wollen.