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Wolfgang Tittmann

Phänomene der Chemie

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Wolfgang Tittmann  Naturwissenschaftler

Geboren 1919 in Leipzig, Sohn von einem der ersten Waldorflehrer. Bezeichnet es als „karmische Raffinesse“, dass er am selben Tag der Gründung der ersten Waldorfschule geboren wurde. Begegnet Steiner als vierjähriges Kind. Schüler der neugegründeten Waldorfschule Uhlandshöhe bis zu deren Schließung durch die Nazis. Abitur und anschließendes Chemiestudium während der ersten Kriegsjahre. 1941 Einberufung in die Wehrmacht, als Soldat zunächst in Frankreich, dann in Polen und Russland. Fünf Jahre russische Kriegsgefangenschaft nach Kriegsende. Zwangsarbeit in einer Kupfermine und als Lager-Bibliothekar. Nach der Rückkehr Beendigung des Studiums und Beginn einer Lehrtätigkeit an der neugegründeten Stuttgarter Waldorfschule am Kräherwald. Heirat mit der Russin Leonila Juchno. „Urgestein“ am Jugendseminar wegen der langjährigen Lehrtätigkeit als Dozent für Naturwissenschaften.

Geologie - Die Geschichte der Erde  Morgenkurs 1
Ausgehend von einem geologischen "Aufschluss" in größtmöglicher Nähe des Seminargebäudes betreten wir das Gebiet der Erdgeschichte. Nach dem Blick in die räumliche Tiefe gewinnen wir auch einen Einblick in den Abgrund der zeitlichen Tiefendimension - die Schichten werden zu Zeugen einer "ge-schichteten" Erde. Von der näheren Umgebung in die Weite vordringend wird schließlich eine globale Geologie sichtbar. Alfred Wegener hat in genialer Weise den Zugang eröffnet für die Drift der Kontinentalplatten und so das neue Bilde der Erde vorbeireitet, das uns heute ermöglicht, die Erde als ein bewegtes und lebendiges Wesen verstehen zu lernen. Und dieses Bild der Erde kann uns auch am Schluss des Kurses, wenn wir wieder zurückkehren an unseren Ausgangspunkt, ein Gefühl geben für die Bedeutung desjenigen Erdenortes an dem wir leben.

Tierwesenskunde  Morgenkurs 2
Der Kurs beginnt im stuttgarter Tiergarten "Wilhelma". Den Auftakt bildet die Betrachtung der Grenze zwischen Pflanzen- und Tierwelt. Durch genaue Beobachtung soll der Unterschied zwischen "Leben" und "Er-Leben" von Pflanzen und Tieren studiert werden. Bei diesem Übergang lässt sich nicht nur die Entstehung eines Nervensystems erkennen, sondern es lässt sich - abseits von wissenschaftlichem Reduktionismus - eine Tierwesenskunde entwickeln, die diesen Namen auch verdient.
Der weitere Weg der Betrachtung geht stufenweise zu einer immer stärkeren Verinnerlichung: tierphysiognomische Übungen ermöglichen uns mehr und mehr lesen zu lernen im Buch der beseelten Natur und damit die objetkive "Seelenaura" wirklich zu verstehen.
Am Schluss des Kurses führt uns die "Methamorphose der Tiere" an die Grenze von Mensch und Tier und zeigt uns, dass sich der Mensch von den Tieren nicht nur graduell (z.B. durch einen angeblich fehlenden Zwischenkieferknochen), sondern pronzipiell unterscheidet: "Edel sei derm Mensch, hilfreich und gut, denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen." (Goethe)
 
Phänomenologische Chemie - Elemente und Metalle  Morgenkurs 3
Das schönste Eingangstor in die Wissenschaft der Chemie ist die Betrachtung der Verbrennung des Feuers. Zugleich kann auf diese Weise ein Einblick in die Entdeckung und Wissenschaftsgeschichte der Chemie gegeben werden.
Von der ruhigen Flamme einer Kerze bis zunm dramatischen Verlauf eines Brandes zeigen sich dem Betrachter vielfältige Phänomene: Welche Farben, welche Formen und Bewegungen sind beobachtbar an der Basis, in der Mitte und and den Spitzen der Flammen? Welche Formen von Rauch, Ruß, Dampf und Abgas sind wahrzunehmen? Was sind Funken, welche Beobachtungen an der verbleibendn Glut und welche am Entstehen der Asche kann man machen?
Anhand von Experimenten, angeregt von Michael Faraday, soll das Verständnis gefördert werden - ohne dabei Goethes Worte zu vergessen: "man suche nur nichts hinter den Phänomenen, sie selbst sind die Lehre". Welche Lehre gibt uns also das Feuer?
Im Folgenden werden die anderen drei der vier aristotelischen Elemente (abstrakt gesprochen: "Aggregatszustände") beobachtet. Zunächst wird das Wasser, der konträre Zustand zum Feuer, in experimenteller Weise beleuchtet. Die Betrachtung des kristallisierten, festen Zustandes (Erde) führt uns fort bis zur Kristallographie und Mineralogie und hat sein Gegenüber im gasförmigen Zustand (Luft).
Damit schließt sich der Kreis der Elemente und ermöglicht einen Ausblick auf das eigentlich Wesentliche, ja sogar auf die Welt der "Elemantarwesen".


Literatur
Chemie
Julius, Frits H.: Grundlagen einer phänomenologischen Chemie. Teil 1. Zum Chemieunterricht der Mittelstufe. Stuttgart, 1992.
Julius, Frits H.: Grundlagen einer phänomenologischen Chemie. Teil 2. Stoffeswelt und Menschenbildung. Stuttgart, 1988.
Pelikan, Wilhelm: Sieben Metalle. Vom Wirken des Metallwesens im Kosmos, Erde und Mensch. Dornach, 1996.
Geologie
Cloos, Walther: Lebensstufen der Erde. Beiträge zu einer organischen Gesteins- und Mineralkunde. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 1984.
Bosse, Dankmar: Die gemeinsame Evolution von Erde und Mensch. Entwurf einer Geologie und Palätologie. Verlag Freies Geistesleben. Stuttgart, 2002.
Wegener, Alfred: Die Entstehung der Kontinente und Ozeane. Verlag Borntraeger. Braunschweig, 1962.
Tierwesenskunde
Poppelbaum, Hermann: Mensch und Tier. Fünf Einblicke in ihren Wesensunterschied. Fischer-Taschenbuch-Verlag. Frankfurt Main, 1990.
Poppelbaum, Hermann: Tier-Wesenskunde. Verlag am Goetheanum. Dornach, 1982.
Kranich, Ernst-Michael: Wesensbilder der Tiere. Einführung in die goetheanistische Zoologie. Stuttgart, 1995.
Goetheanistische Naturwissenschaft
Schad, Wolfgang (Hg.): Goetheanistische Naturwissenschaft. 4 Bände. Verlag Freies Geistesleben.
(besonders: Band 1: Allgemeine Biologie. Stuttgart, 1982. Und: Band 4, Anthropologie. Stuttgart, 1983.)