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Neun Tage in den Vogesen

Eindrücke von der diesjährigen Reise
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Von Hyunjoo Yoo //

Im Jugendseminar gehen wir jedes Trimester auf eine Reise. Im Sommertrimester findet diese Reise in Frankreich in den Vogesen statt und das ist die größte Reise. Die Vogesen sind die großen Berge im Alsace und befinden sich neben der Grenze zu Deutschland. Dort wanderten wir für neun Tage.

Von der Vogesenreise habe ich viele Geschichten und würde davon meine drei Highlights erzählen.

Mein erstes Highlight: In der Höhle

Wir gingen mit Helm und Stirnlampe in die Höhle rein. Als wir im tiefsten Raum ankamen, schalteten wir alle Lichter aus. Unser Raum wurde ganz dunkel und man konnte gar nichts sehen. Wir blieben für einen kurzen Moment still, dann sangen wir. Obwohl meine Stimme herauskam, fühlte ich mich, als wäre mein Körper verschwunden. Nach dem Singen fingen wir unseren Rückweg an. Wir machten wieder das Licht aus und bildeten mit den Händen eine lange Kette, damit alle wieder sicher herausfanden. Am Anfang hatte ich Angst. Aber wenn es irgendwas vor mir gab, kam ein Signal durch eine Hand zu mir. Durch das Gefühl konnte ich Schritt für Schritt laufen und fühlte, dass wir alle wirklich verbunden sind. Es dauerte ziemlich lange. Als ich langsam nicht mehr konnte, sah ich vorne ein helles Licht. Wir gingen alle endlich raus und machten dann einen schönen Kreis und sangen nochmal. Diesen Moment kann ich nicht vergessen. Ich fand, dass dieses Erlebnis wie ein kleiner Lebensprozess ist, bzw. Überwindung der Krise. Obwohl es in der Krise immer dunkel und traurig ist, bin ich trotzdem gar nicht alleine. Wenn man jedoch Schritt für Schritt weitergeht und jemandem mitgehen kann, sieht man irgendwann die Sonne und Freude.

Mein zweites Highlight: Die große Wanderung

Wir standen morgens um halb vier auf und trafen uns vor dem Oberlinhaus, wo wir während der Reise gewohnt haben. Den ersten Teil der Wanderung haben wir schweigend verbracht. Unsere Umgebung war ganz dunkel, ruhig und feucht. Diese Stimmung machte die Umgebung tiefer und stiller. Es gab nur das Geräusch unserer Schritte. Während der großen Wanderung waren wir mit dem Frühstück, Mittagessen und anderen kleinen Pausen insgesamt fast 16 Stunden unterwegs. Wir liefen oft ins Tal runter und wieder hoch und an so manchen Felsen vorbei. Unterwegs nach Hause (Oberlinhaus), als wir am See ankamen, wo wir schnell schwammen, kam ich mit meinen Kräften fast an die Grenze. Aber ich musste noch ein bisschen mehr als eine halbe Stunde laufen. Meine ganzen Beine und Füße taten sehr weh nach diesem weiten Weg. Je langsamer meine Schritte wurden, desto schneller liefen die Leute an mir vorbei. Ich war immer ungeduldiger und konnte nicht mehr laufen. Endlich sah ich unser Oberlinhaus. Ich murmelte „Bisschen mehr, bisschen mehr …“, immer wieder. Als ich im Haus ankam, umarmte Marco mich; danach spielten Nini und Aniko Ukulele als Willkommen für die ankommenden Seminarist*innen. Im Esszimmer gab es heiße Schokolade und Tee.

Mein letztes Highlight: Die Reise ohne Handy

Im Oberlinhaus, wo wir blieben, darf man kein Handy und Internet benutzen. Deshalb mussten wir alle für neun Tage ohne Handy sein. Vor der Reise machte ich mir deswegen ein bisschen Sorgen. Aber ich konnte mich dann besser auf die Reise, Freundschaften und mich selber konzentrieren. Sogar vergaß ich, dass mein Handy nötig ist. Als ich am Ende der Reise mein Handy wieder bekam, fühlte ich mich sehr komisch. Ich fand, dass man im Leben erleben sollte, ein paar Tage ohne Handy und Internet zu sein.