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Humor und Anthroposophischearbeit am Jugendseminar

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Olivia //

Was ist das eigentlich, Humor? Was hat Humor mit der Anthroposophie zu tun? Und warum haben wir ihn hier im Jugendseminar so gerne?

Es gibt viele Geschichten, Erlebnisse und Abenteuer, die hier im Seminar eine Heimat gefunden haben. Auch Menschen, unzählige und einzigartige Freundschaften, Lieben, Schmerzen und Freuden. Aber das ist nicht alles, was hier sein Zuhause gefunden hat. Es gibt auch ein sehr interessantes und neugieriges kleines Wesen, das schon seit einiger Zeit im Haus und in vielen von uns wohnt. Das ist der Humor … 🙂

Man weiß wenig über ihn. In der Kunst finden wir ihn versteckt zwischen den Zeilen, ohne Namen oder Gesicht. Vielleicht haben einige Künstler in diesem Abenteuer, das die Kunst ist, in ihm eine große Hilfe gefunden und so seine Freundschaft gewonnen, was etwas von unglaublichem Wert ist. Aber einmal hat sich der Humor mit seinem Gesicht auf einer Holzskulptur gezeigt. Von oben beobachtet er, mit vielleicht einem kleinen Lächeln auf dem Gesicht, eine Szene, die wir alle, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, täglich erleben. Das erste Mal, als ich ein Bild des Menschheitsrepräsentanten gesehen habe, war ich noch in der Schule. Als ich das Foto sah, habe ich jemanden gefragt: „Wer ist das Wesen da oben?“ „Der Humor“, wurde mir gesagt; nichts weiter. Ich fand das alles sehr rätselhaft und traute mich daher nicht, weitere Fragen zu stellen. Ein paar Jahre später kam ich ins Jugendseminar und merkte allmählich, dass er hier sehr anwesend ist, in den Fluren und im Treppenhaus, in der Musik und den Begegnungen. Aber an einem besonderen und für mich ziemlich unerwarteten Ort scheint er sich zu Hause zu fühlen: in unseren Theosophie- und Philosophie der Freiheit-Stunden.

Aber wer ist er eigentlich? Sein Name kommt vom lateinischen (H)umor, der in der früheren und mittelalterlichen Medizin den verschiedenen Arten von Flüssigkeiten in unserem Körper ihren Namen gab. Humor m. ‚heitere Gelassenheit als Grundhaltung gegenüber dem Dasein, Sinn für Komik, gute Laune, fröhliche Stimmung‘. von lat. ūmor (Genitiv ūmōris) Feuchtigkeit, Flüssigkeit, Naß’ (auch für Tränen, Speichel, Blut), zu lat. ūmēre feucht sein. In der mittelalterlichen Medizin steht mlat. humor für ‘Körpersaft’. Das Interessante daran ist, dass diese viel besprochenen Flüssigkeiten diejenigen sind, die unsere Lebenskräfte tragen und die auf wunderbare Weise und für uns fast unbewusst das Leben in unserem Körper am Laufen halten. Schaffen, pflegen, erhalten, abbauen und neu schaffen.

Liebe Leserin, lieber Leser, wenn Sie mit einigen Begriffen aus der Anthroposophie vertraut sind, denken Sie vielleicht schon: „Das klingt alles sehr ähnlich wie ein Ätherleib“. Aber wenn nicht, lassen Sie uns mit dem Bild des Humors als etwas Flüssigem und Feuchtem fortfahren. Denken Sie an Wasser und seine Rolle in unserem Leben. Wenn wir Wasser trinken, erfrischt es uns, wenn wir duschen gehen, reinigen wir unseren Körper, und wenn wir schwimmen, kommen wir anders heraus, als wir vorher waren. Ähnlich ist es mit dem Humor, der uns zum Lachen bringt (in meinem Fall bis zu den Tränen) und uns in einen anderen Zustand versetzt, als wir vorher waren. Humor erfrischt, reinigt und lässt uns die Dinge aus einem anderen Blickwinkel sehen – vielleicht weniger ernst als zuvor. Wenn wir traurig oder besorgt sind, genügt oft schon ein Lachen oder ein Weinen, um die Dinge zu verbessern. Die Probleme oder Herausforderungen an sich sind zwar immer noch da, aber wir sehen sie vielleicht aus einer anderen Perspektive.

So ist der Humor ein großer Freund der Künstler und der Jugendseminaristen. Die Aufgabe, die innere oder äußere Welt oder beides zu zeigen, ist nicht einfach und erfordert immer wieder ein- und ausatmen. Das gilt auch für den Prozess des Lernens, des Kennenlernens der Anthroposophie. Wir alle, die wir hier leben, wissen, dass es nicht einfach ist, uns tiefen Wahrheiten von uns bewusst zu machen. Auch nicht einfach ist es, die Welt zu sehen, so wie sie jetzt ist, Mut zu haben, sie zu schauen und aktiv in ihr zu leben. Mit Steiners Texten muss man sich erst eintauchen lassen, sich überhaupt erst bekannt machen, um ein bisschen mehr verstehen oder nachvollziehen zu können, und danach vergessen und sich wieder erinnern. Es ist nicht einfach, diese Slackline namens Leben zu vollziehen. Aber zum Glück haben wir hier einen Mitbewohner (der auch in jedem von uns lebt), der uns hilft, zu atmen und es wieder zu versuchen, mit Leichtigkeit, Respekt und Liebe. Der Humor.