Von Otar //
Eindrücke eines Seminaristen von der Vogesenreise 2025
Jedes Trimester macht das Jugendseminar eine Reise. Im Sommertrimester ist diese die sogenannte Vogesenreise. Das ganze Jugendseminar fährt über Colmar für neun Tage in die Vogesen zum Oberlinhaus. Dieses liegt mitten in der Natur und bietet viele Möglichkeiten um wandern und baden zu gehen und auch, um in eine tiefere Begegnung mit sich und der Natur zu kommen.
Eindrücke der Reise von Otar:
Die Vogesen sind ein sanftes Gebirge, wo die Landschaft den Menschen nicht überwältigt, sondern einlädt. Die Berge sind hier nicht steil und hart, sondern sie bewegen sich weich im Raum, sie geben Platz zum Gehen, Atmen und Nachdenken. Die Wälder sind dicht, aber nicht erdrückend, die Seen ruhig und klar, und die Wege fühlen sich an, als wären sie für Menschen gemacht, die bereit sind, die Umgebung mit Bewegung zu verstehen.
Die Reise im Jahr 2025 begann genau in diesem Raum – nicht als Abenteuer, sondern als eine Zeit, die man sich selbst schenkt. Die Vogesen wurden zu einem Hintergrund, auf dem sich ein anderes Tempo vom Alltag langsam entwickeln konnte.
Die ersten Tage waren geprägt vom Wandern. Schritt folgte auf Schritt und die Bewegung verlor nach und nach das Gefühl von Ziel und Eile. Beim Aufstieg wurde der Atem schwerer, aber der Kopf leichter. Beim Abstieg lernte der Körper, loszulassen. Die Natur wollte nichts zeigen, sie war einfach da. Auf den Wegen folgte die Zeit anderen Regeln. Das Licht zwischen den Blättern, der Geruch von feuchter Erde und das ferne Geräusch vom Wasser schufen einen stillen Dialog zwischen Mensch und Umgebung. In diesem Dialog brauchte man keine Worte. Es reichte, da zu sein. Zwischen den Schritten entstand ein Gefühl von Freiheit – nicht als Flucht vor Verantwortung, sondern als Raum, wo man nichts beweisen muss. Genau dort kam das Gefühl von einem neuen Anfang. Ruhig, nicht gedrängt, aber stark. Etwas begann sich innen zu formen, noch ohne Stimme.
Am Ende des Tages kam die Müdigkeit auf natürliche Weise. Der Körper war müde von Bewegung, aber diese Müdigkeit war nicht schwer. Die Ruhe des Abends und die Stabilität der Umgebung erlaubten einen tiefen, ruhigen Schlaf. So ein Schlaf ist selten – ein Schlaf, der nicht Energie nimmt, sondern sammelt.
Der Morgen begann nicht mit Widerstand. Man wachte auf mit Licht und Stille. Die Energie war nicht laut oder nervös, sondern gleichmäßig und tragend. Es fühlte sich an, als würde die Umgebung selbst Kraft geben für den neuen Tag.
Die Gemeinschaft der Seminaristen hatte eine besondere Bedeutung. Menschen mit verschiedenen Wegen, Erfahrungen und Charakteren waren zusammen in einem Raum. Die Unterschiede trennten nicht, sondern ergänzten sich. Gespräche entstanden natürlich, manchmal mit Worten, manchmal nur beim gemeinsamen Gehen. Dieser Ort war einer der besten Plätze, um Freundschaften zu bilden, weil Beziehungen hier nicht erzwungen waren.
Die Abende hatten eine sammelnde Qualität. Die Eindrücke des Tages setzten sich langsam. Bewegung wurde zur Ruhe. Natur und Menschen kamen zusammen in einem gemeinsamen Raum, wo das Individuelle Teil von etwas Größerem wurde. Diese Reise in den Vogesen im Jahr 2025 blieb mir nicht als ein bestimmter Weg oder ein Datum, sondern als Zustand. Freiheit, Wandern, Nähe zur Natur, ruhiger Schlaf und menschliche Energie verbanden sich zu einem Ganzen. Es war ein Ort, wo man stehenbleiben konnte, ohne aufzuhören, vorwärtszugehen – wie ein ruhiger, aber wichtiger Anfang.