Von Aaron //
Das Yin-und-Yang-Zeichen der daoistischen Weltanschauung aus Asien repräsentiert diesen Begriff hervorragend.
Es stellt die absolute Ausgeglichenheit der beiden Polaritäten dar. Diese sind in jeder Hinsicht ebenbürtig zueinander. Das Zeichen symbolisiert jegliche Pole der Welt, die wir alle gut kennen. Sei es Tag und Nacht, Mann und Frau, oben und unten, etc.
Wir sehen also auf den ersten Blick, dass sie an sehr vielen Stellen im Leben zu erkennen sind. Auf den zweiten Blick bemerken wir jedoch, in welchem Ausmaß diese sich befinden. Die Pole sind somit in den kleinsten Alltagssituationen physisch vor uns, als auch seelisch in uns zu finden. Wir erkennen, dass unsere Wesensglieder, in eigentlich jedem noch so kleinen oder großen Ding, in diesen Polaritäten schweben, also sehen wir darin die damit einhergehende Balance. Das gilt ebenso für die von Steiner entdeckte fünfte Ebene, die Quinta Essenzia, die aus Denken, Fühlen und Wollen besteht. Das Fass ist jetzt definitiv zu groß, um es zu öffnen, jedoch ist die Wichtigkeit der Balance innerhalb dieser nicht zu unterschätzen.
Wenn nun diese Balance aus dem Gleichgewicht gerät, verspüren wir es als ein Problem, in den unterschiedlichsten Formen, direkt. Äußerlich beim Klimawandel, bei einer Krankheit im physischen oder seelischen Bereich, bei einem schlecht gebauten Tisch, oder in den Führungspositionen eines Landes.
Ich möchte noch weiter gehen. Diese Unausgeglichenheit sehen wir noch stärker in der aktuellen Menschheit. Diese sucht krampfhaft nach wahrem Glück, was in jeglichem Sinne verständlich ist. Durch die fehlende Verbindung zur geistigen Welt und die damit einhergehende fehlende geistige Arbeit, taucht ein Defizit auf, welches die Menschen jetzt mit physisch vergänglichen Gegenständen versuchen zu kompensieren (Näheres siehe meinen Artikel „Wie bekomme ich Lebenskraft?“ im Rundbrief). Der Konsum dessen, als auch die schwindende Verbindung zum Höheren, haben sich in den letzten Jahrhunderten so drastisch zugespitzt, dass man sich jetzt langsam die Frage stellen sollte, bis zu welcher Extreme es überhaupt noch geführt werden kann.
Jetzt ist dem Leser wahrscheinlich das Paradoxon, in dem ich das hier schreibe, klar geworden. Denn mein Laptop wächst bekanntlich nicht auf Bäumen. Und ja, ich bin bis zu einem gewissen Prozentsatz gezwungenermaßen ein Teil dessen. Sich davon zu lösen, könnte eine Lebensaufgabe darstellen. Andererseits möchte ich das binäre/tote Denken in keinem Falle verteufeln. Die Menschheit hat aus ihm wirklich Großes geschaffen. Sie haben nur die andere, ebenso wichtige Seite vergessen!
Die goldene Mitte ist somit wie in den allermeisten Fällen der richtige Weg. Ein Extremismus in jegliche Richtungen, kann schnell ungesund werden.
Genau diesen Ausgleich versuchen wir hier im Freien Jugendseminar Stuttgart neu bei uns junger Generation, aufzubauen. Die Hauptbalance liegt darin, dass die Unterrichte jeden Tag so aufgebaut
sind, dass ein Ausgleich zwischen physischer und geistiger Tätigkeit geschaffen wird. Dies steht meist in Wechselwirkung miteinander. Wir finden die Balance aber auch in kleineren Dingen, wie zum Beispiel im Mittagessen, wo darauf geachtet wird, dass eine möglichst ausgeglichene Ernährung für jeden möglich ist.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen meine Sicht der Balance in der Welt, im Jugendseminar wie auch im Kleinen in uns selbst, ein wenig näherbringen.